Gefunden – Expeditionsmobil, the real thing

Truck für Expedition von Fahrerseite

Nun im Norden der Republik angelangt fand ich im Februar 2016 einen Wohnmobil-Bauer, der sich mit dem Thema Expeditionsmobil intensiv beschäftigt. Vor wenigen Jahren selbst mit dem Mobil auf dem Landweg unter anderem nach Südamerika, Asien und Nordamerika gefahren, hat er sich viele gute Ideen und Anregungen notiert und setzt diese beim Bau seiner sogenannten Weltreisemobile auch konsequent um.

Truck für Expedition von innen

Im Inneren der Kabine sehr am recht hausbackenen Stil von Bimobil mit hellem Holz und Aluminium orientiert (kann man mögen, muss man nicht), sind die Mobile selbst außerordentlich robust konstruiert. Für zahlreiche Probleme gibt es bereits einen eingebauten Plan B als Notlösung, in jeder Ecke und Nische hat es geschickte Ideen umgesetzt.

Zur Auswahl stehen Euro5 – Chassis zum Neuaufbau einer Kabine nach Wunsch, diese schieden eben wegen Euro5 für mich aus. Auch auf gebrauchten Chassis aus 2003 und 2004 mit Euro3 gibt es schon gebaute, sofort verfügbare Kabinen beim Händler.

Mit dem für mich richtigen Grundriss ging es los – Heck-Querschläfer separatem Bad und Dinette konnte und wollte ich leben, so dass eine 515 cm lange Kabine in die Auswahl kommt.

Grundriss des Expeditions-Trucks

Die Gesamtlänge von nur 7 Metern bei der recht geräumigen Kabine, der kurze und daher wendige Radstand sowie das solide Aufbau-Konzept überzeugten mich. Zumal am Fahrzeug nur wenige Sachen für meinen Einsatzzweck fehlten: der Reserveradträger am Heck (mit Möglichkeit der Sandblechhalterung), eine Dachklimaanlage, Dachluke, Schutzbleche für die Tanks und Kleinigkeiten wie Rauchmelder, CO2-Feuerlöscher und Airlineschienen in der Heckgarage – das war es schon.

Nach einigen Wochen waren die Arbeiten erledigt und ich durfte das Fahrzeug abholen. Mit Vorfreude und Respekt ging es ans Werk, wobei auf der Hinreise zum WoMo- Händler noch der PKW wegen Euro5-Sensor-Störung (gelbe Motorwarnleuchte) die Werkstatt besuchen wollte – ein Grund mehr für das solide Euro3-Chassis des Mobils. 700 Euro und 3 Werkstattstunden später war der defekte NOX-Sensor des PKW getauscht – glücklicherweise auf Ersatzteilgarantie, da es sich um den fünften Ausfall innerhalb der Gewährleistungszeit handelte. Danke an Mercedes für die recht rasche und kulante Reparatur.

Die technische Einweisung ins neue Mobil fiel mit 4 Stunden für mich als erfahrenen Wohnmobilisten recht Dauer üppig aus. Mit viel Geduld und Detailkenntnis wurden alle Fragen beantwortet und alles erklärt. Natürlich waren es mehr Infos, als ich aufnehmen und speichern konnte, deshalb habe ich fleißig gefilmt und auch eine prima Fahrzeug-Dokumentation mit Fotos vom Hersteller erhalten. So eine Doku ist nach meinem Wissen einmalig, die Mühe machen sich ansonsten weder die mir bekannten Serienhersteller wie Niesmann und Bischoff, Concorde oder Phoenix noch mir bekannte Individualbauer von Expeditionsmobilen.

Der Vorteil einer solchen Foto-Doku ist, das man bei Anrufen von unterwegs beim Hersteller einfach die gleiche Seite der Doku aufschlägt (ein Exemplar bleibt beim Händler) – und schon wissen beide Seiten, was man sieht, welche Sicherung zu wechseln sein könnte und so weiter.

Truck für Expedition von Fahrerseite

Die Rahmendaten des Chassis des Mobils sind: Fahrgestell MAN LE 10.220, Länge mit Kabine und Reserveradträger 7,50m, Breite 2,44m, Höhe 3,65m, Radstand: 3,56m, Hinterachs- / Vorderachs- / Längssperre, Untersetzung, Bereifung Single 365/80R20 mit Michelin XZL, Dieseltanks mit insgesamt 700 Litern, Diesel Filter Separ beheizt. Der Unterfahrschutz ist hochklappbar, es hat drei wasser- und staubdichte Niro-Stauboxen unter Wohnkabine.

Die Kabine hat 3-fach gewebeverstärktes GFK, 60mm Isolierung, einlaminierte Verstärkungen, der Zwischenrahmen ist mehrfach gelagert mit Elastiklagern. Die Fenster und Dachhaube sind KCT-Fenster, einbruchhemmend mit Echtglas-Spezialverglasung, Sonnenschutzbedampfung und rundum abgedichteten Spezial Fliegen-/Moskitonetzen und Verdunklungsrollo. Das WC ist eine Tecma Zerhackertoilette mit 180 Liter Fäkalientank. Frischwassertank gibt’s im 400ltr und 100ltr Tank, getrennt für Frisch und Schwarzwasserverwendung. Der Abwassertank fasst 210ltr, ein unter dem Fahrzeug montierter Gastank fasst 105ltr. Die Heizung mit Warmwasserbereiter ist die bewährte Truma 6 Combi mit Elektropatrone. Ein Kompressor Kühlschrank von Kissmann, Typ KB130ENI für 12V+110V+230V komplettiert die Küche, das Ladegerät beschickt die 3 x 110 Ah Batterien mit 40A.

Erleichtert über den guten Verlauf der Einweisung und Abnahme wurde der Restkaufpreis bar bezahlt, erforderliche Protokolle und Dokumente unterzeichnet und ausgetauscht.

Übergabe Truck zur Expedition

Das Einräumen der mitgebrachten Erstausstattung des Fahrzeuges hatte dann in 2 Stunden zu erfolgen, also eigentlich nur Kisten und Kartons aus dem Kofferraum des PKW ins Mobil. Was aber natürlich auch Genussmittel und viel Kleinkrams umfasste.

Kofferraum des Trucks

Noch ein kurzer Einkauf des Nötigsten beim Discounter und dann erstmal ab an die recht nahe gelegene Elbe beim Hafen Kolmar. Im Fährhaus kann man gut speisen, die Krabbensuppe und das Labskaus waren mir dringend benötigte Energiezufuhr.

Abendessen nach Truck Übergabe

Ich beschließe, den Tag früh ausklingen zu lassen und verbringe die erste Nacht erholsam im neuen Mobil. Kaltschaummatratzen und Froli-Lattenrost versehen ihre Dienste gut – kein Rückenschmerz am Morgen ist ein gutes Omen! Die kommende Stunden verbringe ich mit zuschneiden von Antirutschmatten für Schränke und Schubladen und dem einräumen von Geschirr, Besteck, Gläsern und Klamotten. Das Mobil kommt nämlich sogleich zum Bekleber um nächste Woche den Weg zur Messe anzutreten.

Die Abenteuer Allrad in Bad Kissingen, Europas größte Outdoor und Offroad Messe, öffnet in wenigen Tagen die Pforten. Mein Mobil war dort als Austellungsfahrzeug eingeplant, ich habe mich mit dem Kauf bereit erklärt, das Mobil auf den Messestand des Herstellers zu überführen. Und ich werde die Messezeit auf dem Stand im Mobil schlafen, deshalb muss alles von der Morgentoilette zum Kochen und Schlafen gleich an Bord des Mobils – den die Überführung zur Messe geht direkt vom Bekleber nach Bad Kissingen, keine Gelegenheit, zu Hause Vergessenes einzuladen.

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